Vorlagen für eigene Bibelarbeiten

Die folgenden Anregungen können Sie auch als PDF herunterladen; die Bilder stellen wir Ihnen als Druckvorlage zur Verfügung (hier herunterladen: Didaktische Anleitung, Bilder, Kommentare).

Didaktische Anleitung für eine bildzentrierte Gesprächsrunde über Maria und Marta, Lukas 10,38-42

Ziel: Über das Gespräch über Bilder, in denen andere ihre Erfahrungen, Sehnsüchte, Wünsche und ihr Verständnis von Lukas 10 aufs Papier gebracht haben, zum Bibeltext gelangen und vom erschlossenen Bibeltext den Kontext der Teilnehmenden erhellen.

Ablauf nach dem „Drei-Phasen-Modell"
(Zeitbedarf hängt von der Zahl der Teilnehmenden ab, etwa zweieinhalb Stunden)

Literatur:

M. Voser-Käppeli, M. Friedli-Saner, Die Bibel in der Erwachsenenbildung. Eine Darstellung erlebnisorientierter Bibelarbeit, Luzern 1979

Anneliese Hecht, Zugänge zur Bibel, 2003, S. 69 ff

Erlesen! Aus den Quellen schöpfen. Ein Bibelkurs, hrsg. vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein und vom Erwachsenenbildungswerk Westfalen-Lippe, 2006, S. 18 ff

1. Einleitung: (10 Minuten)

Leiter: Raum schaffen und Material besorgen:

Tische - Stühle - 25 Bilder (hier herunterladen, als Pappen auch ausleihbar vom Ev. Bibelwerk) - Textblätter mit Lk.10,38-42 in der Luther- und der Einheitsübersetzung - Papier und Malstifte

Vorstellung aller Teilnehmenden

Ziel: Über das Gespräch über Bilder, in denen andere ihre Erfahrungen, Sehnsüchte, Wünsche und ihr Verständnis von Lukas 10 aufs Papier gebracht haben, zum Bibeltext gelangen, und vom erschlossenen Bibeltext den Kontext der Teilnehmenden erhellen.

 

2. Erste Phase - projektive Phase: (30 Minuten) Was der Text bei anderen und bei mir auslöst.

a) Der Leiter verliest den Bibeltext; die Teilnehmenden werden gebeten, sich die Szene in ihren Lebensbezügen vorzustellen.

b) Die Teilnehmenden wählen eins von den ausliegenden 25 Bildern zu Maria und Marta aus unter der Leitfrage: Welches Bild spricht mich an? Welche Wünsche, Vorstellungen, Sehnsüchte hat der Text bei anderen ausgelöst, die auch mir nahe gehen?

c) Die Teilnehmenden nehmen wieder Platz und nehmen sich Zeit (etwa 8 Minuten), um in das Bild einzusteigen: Wo bin ich in diesem Bild? Welche Rolle spiele ich zur Zeit? Was an Maria/Marta ist mir unsympathisch? O wenn ich doch mal Maria/Marta sein dürfte! Wo fühle ich mich wohler: als Gast bei Marta oder bei Maria? Wo begegnet mir einer wie Jesus heute?

d) Die Teilnehmenden stellen ihre Bilder im Plenum vor und kommentieren sie. Jeder kommt zu Wort; kein bewertender Kommentar durch Dritte!

3. Zweite Phase - analytische Phase: (15 Minuten) Sich dem fremden Text aussetzen; ihm auf die Spur kommen.

Der Leiter verteilt ein Textblatt mit der Luther- und der Einheitsübersetzung. Die Teilnehmenden lesen versweise und reihum beide Übersetzungen. Der Leiter referiert Impulse aus der Exegese. Hier in Stichworten:

- V. 38: Marta, die dominierende „Herrin", lädt ein. Gastfreundschaft ist im Orient ein hohes Gut. Dass eine Frau einen Mann zu sich ins Haus einlädt, ist für damalige Zeit sicherlich ungewöhnlich.

- V. 39: Maria, die jüngere - die schwächere? -, sitzt zu Jesu Füßen. Zu Füßen sitzen ist ein Terminus technicus, der die Haltung des Jüngers gegenüber seinem Lehrmeister zum Ausdruck bringt. Das war die zweite Ungewöhnlichkeit: Frauen in der Rolle der Nachfolgerin eines Rabbi. Vergleiche auch die heutige Diskussion über die „Jüngerinnen" zur Zeit Jesu in der „Bibel in Gerechter Sprache"!

- V. 40 Dienen = bewirten, den Tischdienst im Sinne der Gastfreundschaft ausführen; im Griechentum eine Aufgabe von Sklaven. Marta sieht sich in der Rolle der Gastgeberin überfordert. Sie grollt. Bezeichnenderweise wendet sie sich mit der Bitte um Hilfe nicht direkt an ihre Schwester, sondern an den Meister persönlich. Dadurch entsteht der Konflikt: Jesus soll Partei ergreifen für Marta. Maria soll dieselbe „dienende" Rolle wie Marta spielen.

- V. 41f Jesus entzieht sich dieser Vereinnahmung. Marta wird nun die bevorzugte Gesprächspartnerin. Im Griechischen wird der Gegensatz stärker hervorgehoben als in den deutschen Übersetzungen. Wörtlich: „Du machst dir Sorgen und Mühen um vieles, eins aber ist not." Das Viele, das Marta in Atem hält: die hohen Erwartungen sich selber gegenüber - „mache ich auch alles richtig?" - und die enttäuschte Erwartung an Maria - „eigentlich ist mir das alles zu viel; warum hilft sie mir denn nicht?" - lässt sie den „Ein"-klang mit sich selber verlieren. Äußere Pflichterfüllung führt oft zu inneren Verletzungen und autoritären Verhaltensweisen. Ihr hin und hergerissenes Inneres muss geheilt werden. Dieses Eine tut not. „Was Maria hat, brauchst du. Gönne es ihr! Und dann gönne es auch dir!"

- V. 42 Jesus nimmt Maria in Schutz; sie darf aus der Rolle fallen. Auch Frauen dürfen Jüngerinnen sein und Bischöfinnen! (gegen das Frauenbild des 19. Jahrhunderts „Kinder, Küche, Kirche...)

Damit diskreditiert Jesus nicht Martas Gastfreundschaft (gegen Luthers Abwertung des Martadienstes im Sinne einer Werkgerechtigkeit)! Insofern wertet die Einheitsübersetzung zu sehr, wenn sie aus dem „guten" Teil das „Bessere" macht. Damit wird Marias Hören zur besseren Haltung und zum Vorbild gegenüber Martas Gastfreundschaft erklärt! Hier und jetzt, in diesem Kontext, darf Maria aus der Rolle fallen.

Jesus entzieht sich Martas Vereinnahmungsversuchen; er stellt sich vor Maria, ja er signalisiert Marta: „In meiner Gegenwart darfst auch du deine hohen Erwartungen an dich selber getrost loslassen."

Keine moralische Antigeschichte, aber ein Kapitel christlicher Freiheit, das Jesus im Haus der Schwestern für beide inszeniert.

4. Überleitung : (30 Minuten) Begegnung zwischen Text und innerem Bild

Die Teilnehmenden lesen noch einmal die Verse, die ihnen nunmehr wichtig geworden sind. Wiederholungen mit unterschiedlicher Betonung, Gefühlsäußerung und Gestik sind erwünscht.

Der Leiter beginnt ein Gespräch unter der Leitfrage: An welchem Punkt korrigiert der Bibeltext mein „Bild", das ich von ihm hatte? Was entdecke ich, was mir bislang unbekannt war? Was lerne ich? Oder bestätigt der Bibeltext meine Erwartungen?

5. Dritte Phase - Transfer: (30 Minuten) Meine eigene Rolle als Frau / als Mann im Spiegel der biblischen Geschichte.

Die Teilnehmenden werden gebeten, ihr eigenes Marta- bzw. Maria-Bild zu entwerfen; dabei soll die Bewegung, die vom biblischen Text ausgeht, im gesellschaftlichen Kontext der Teilnehmenden weitergehen:

- Welche Überforderungen kann ich loslassen? Wie gehe ich mit diesem Risiko um?

- Wo kann ich hören und nehmen?

- Wo bleiben mir als Frau Türen immer noch verschlossen?

- Welches ist meine Rolle als Frau/ als Mann?

- Welche „Freiräume" bietet mir meine Gemeinde? Welche Freiräume kann ich nutzen?

Form: Stillarbeit. Jeder Teilnehmende malt sein eigenes Bild; dabei kann er das gewählte Bild vertiefen oder korrigieren. Der auf der Rückseite von jedem Bild befindliche Kommentar oder auch die Fragen dort können dabei behilflich sein (Kommentare zu den Bildern hier herunterladen)

6. Abschluss: (30 Minuten )

Vorstellung des eigenen Bildes oder der eigenen Gedanken im Plenum.) Zusammenfassung. Evtl. Abschluss mit dem Lied eg 608 „Erleuchte und bewege uns..."

Feed back, Verabschiedung.

Ernst Toenges, Pfarrer i.R. und Geschäftsführer des Evangelischen Bibelwerks im Rheinland Tel. 02 02/49 66 890; privat: 02 02/89 79 804