Bibelverbreitung im Rheinland

Bibelboten im 19. Jahrhundert - Volksmissionare und Seelsorger

G. Gutmann trat 1825 als erster Bibelkolporteur in den Dienst der Bibelverbreitung im Rheinland. Zwei Jahre später stellten Barmer Missionsgesellschaft und Bergische Bibelgesellschaft gemeinsam Christoph Oberdorsten als Bibelboten - wie der Dienst nun hieß - an, um "das hiesige Missionsblatt und Bibeln in seiner heimatlichen Gegend und weiter zu verbreiten." Oberdorsten wanderte bis nach Hessen und berichtete in ausführlichen Briefen nach Elberfeld von Bibelgesprächen in vielen Häusern, Schulen und Gemeinden, aber auch von Konflikten. "Schullehrer, Prediger, Schulzen und Landräte erwiesen sich den Bibelboten fast überall sehr freundlich, oder doch wenigstens nicht feindlich." Nach Einschätzung Robert Pinkertons waren um 1855 mehr als 100 Bibelboten in deutschen Landen unterwegs. Ihr Dienst wurde von kirchlichen und weltlichen Behörden zunehmend reglementiert und auf den Bibelverkauf begrenzt. Karl Gondrom richtete in Kurorten wie Bad Ems auf der Promenade Bibelverkaufsstellen ein und hielt Bibelstunden. Doch bald ging er auch an die "Hecken und Zäune", zu Bau- und Bergarbeitern und Auswanderern auf Bahnhöfe und in Häfen. Noch bis 1933 konnte Emil Simon als Bote in Sachen Bibel wirken.

 

Bibeln für Eisenbahnarbeiter und auf Rheindampfschiffen

Für Konfirmandinnen und Konfirmanden aus armen Familien stellte die Bergische Bibelgesellschaft Bibeln bereit. Kirchen-gemeinden aus dem Bergischen Land, in Eifel und Hunsrück, an Rhein, Mosel und Saar bezogen ihre Bibeln aus dem Wupper-tal. Seit den 1840er Jahren erhielten viele Brautpaare eine Bibel als Geschenk zu ihrer Trauung. Neben verschiedenen Ausgaben der Lutherbibel bot die Bibelgesellschaft die katholischen Übersetzungen der Bibel von van Eß, Wittmann und Goßner an, die Priester für ihre Gemeindeglieder kauften. Für die Bibelverbreitung an Schulen fand sich eine originelle biblische Begründung in der Eliageschichte: „Iß und trink; denn du hast einen großen Weg vor dir!“ (1. Kön. 19,7). Für ihren Lebensweg bräuchten sie das biblische Wort als Wegzehrung, sagte man und verteilte Bibeln, auch in Fabrik-schulen. Auf Initiative von Theodor Fliedner kamen auch Gefängnisse in den Blick.

Als ab 1896 die Müngstener Brücke gebaut wurde und Scharen von Eisenbahnarbeitern ins Bergische Land zogen, schenkte man ihnen eine Bibel. Die Düsseldorfer Bibelgesellschaft sorgte dafür, dass auf den Rheindampfschiffen Bibeln für die Lektüre unterwegs ausgelegt wurden.

 

Gustav Diederich - 59 Jahre im Dienst der Bergischen Bibelgesellschaft.

Als 24 Jähriger übernahm der gelernte Buchhändler Gustav Diederich 1888 die Geschäftsführung im Bibelhaus an der Morianstraße. Er erweiterte das Angebot lieferbarer Bibelausgaben, gab Preisverzeichnisse heraus und begann den Buchhandel im Rheinland und in Westfalen von Elberfeld aus zu beliefern. Die Zahl der verkauften und verschenkten Bibeln stieg stetig an. Im Jahr 1906 erreichte sie die Summe von 151.558 verbreiteten Bibelausgaben. Noch viel mehr Neue Testamente, Evangelien und Psalmen wurden während des 1. Weltkriegs verteilt. Diederich und viele seiner Kollegen in den Bibelgesellschaften verstanden die Bibelverbreitung im Sinne des Gleichnisses vom vierfachen Ackerfeld als "gesegnete Aussaat" und leider auch im nationalen Sinne als "vaterländischen Hilfsdienst". Mit dem Eingeständnis "Unser Volk war zu sehr von seiner Tüchtigkeit überzeugt ..." begann der Jahresbericht 1918. Wechselvolle Jahre mit Inflation, Wirtschaftskrise, NS-Herrschaft folgten. 1935 ging Diederichs in den Ruhestand und begleitete die Arbeit nun als Vorstandsmitglied. Nach der Zerstörung des Bibelhauses im Juni 1943, bei der sein Nachfolger ums Leben kam, übernahm er noch einmal für zwei Jahre die Führung der Geschäfte von seiner Wohnung aus.

 

Bibelpartner in der Gemeinde - ehrenamtlich engagiert rund um die Bibel

Die Idee kam vom Weltbund der Bibelgesellschaften: Volunteers, Freiwillige, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gemeinde organisieren Büchertische, gestalten Ausstellungen, wirken mit bei Bibelwochen, geben Auskunft zu neuen Übersetzungen und Bibelausgaben und informieren über die Arbeit der Bibelgesellschaften im eigenen Land und weltweit. Pastor Johannes Fries begann im Rheinland 1988 mit dem Aufbau der Bibelpartnerarbeit, in der bald mehr als hundert Menschen ihre Freude an der Bibel kreativ mit vielen anderen teilten. Regelmäßige Treffen führten die Ehrenamtlichen bis 2005 zu anregenden Fortbildungen und zum Erfahrungsaustausch zusammen. Der Rundbrief "Kontakte" berichtete von der Arbeit in den Gemeinden. Eine "Grundausstattung" an Bibeln und Literatur zu Bibel und ein Handbuch unterstützten das Engagement der Bibelpartner/innen. Der Kirchentag im Ruhrgebiet und die "Jahre mit der Bibel" 1992 und 2003 trugen viele Früchte.